Informationsmaterial für BesucherInnen

Das Tuol Sleng Genocide Museum versteht sich als ein lebendiger Ort des Austausches und der wissenschaftlichen Quellenforschung. Kambodschanische BürgerInnen werden bei der Suche nach Verwandten begleitet, Kinder und Jugendliche sollen mehr über die Zeit der Roten Khmer lernen können und Forschungsanliegen zu diesem Zeitraum werden unterstützt.

Das Museum hat zum Ziel, Frieden zu fördern in der Hoffnung, dass die schrecklichen Verbrechen aus der Zeit der Roten Khmer sich nicht wiederholen. BesucherInnen sind eingeladen, die Angebote des Museums zu nutzen.

Pädagogik

Das Tuol Sleng Genocide Museum fühlt sich dem Ziel verpflichtet, ein tieferes Verstehen der Zeit der Roten Khmer zu fördern. Es möchte die nächste Generation bestärken, weitere Genozide in Kambodscha und in der Welt zu verhindern. Um diese Ziele zu erreichen, wurde 2009 ein pädagogisches Team gegründet und im Jahr 2014 wesentlich vergrößert. Die Aktivitäten des Museums wurden um vielfältige Angebote, u. a. um das „Outreach“-Programm, Trainings und Weiterbildungen erweitert.

1. Angebote im Museum

Unser pädagogisches Angebot beinhaltet:

White Lotus Room

Die weiße Lotusblüte steht in der kambodschanischen Kultur für den Frieden. Der nach ihr benannte Raum im Gebäude D wurde 2015 eingeweiht und ist ein Ort der Ruhe, der Meditation und der inneren Reflektion nach dem Besuch des Museums. Der mit einer Klimaanlage versehene Raum ist komfortabel mit Matten und Kissen ausgestattet. Interessierte BesucherInnen können sich dort die zweimal täglich live aufgeführten Smoth Chantings und traditionelle Cambodian Music anhören. Bitte entnehmen Sie die Aufführungszeiten der Beschilderung am Museumseingang.

Klassenraum im Museum

Der im Museum eigens für den Besuch von Schulklassen eingerichtete Unterrichtsraum dient der Vor- und Nachbereitung der Führungen durch das Museum. Durch interaktive Zusammenarbeit von SchülerInnen mit unserem pädagogischen Team soll es erleichtert werden, die Ausstellung(en) zu verstehen. Darüber hinaus beschäftigen sich einige Lehrangebote auch mit der Durchführung von Familieninterviews, um einen Dialog der Generationen und gemeinsames Verstehen zu fördern. Das Museum bittet um Voranmeldung, um diese Angebote vorbereiten zu können.

Testimony Program

(Zeugnis ablegen, engl.: testimony)
Dieses Programm wurde 2015 als ein zusätzliches Angebot des Museums für alle BesucherInnen begonnen und gibt Überlebenden die Möglichkeit, ihre Geschichte und Sichtweise zu erzählen.
Zukünftig ist ein erweitertes Programm geplant, in dem auch Menschen ihre Erlebnisse berichteten können, die während der Herrschaft der Roten Khmer im Kindesalter waren. Dieses Programm wird unter dem Namen Testimonies of the Khmer Rouge Years through The Eyes of Children and Adults allen BesucherInnen zugänglich gemacht werden.

Unterrichtsmaterialien und Lehrbücher

Die größte Zielgruppe für unsere pädagogische Arbeit am Museum sind SchülerInnen von weiterführenden Schulen. Angesichts des Umstandes, dass bisher geeignete Unterrichtsmaterialen oder Geschichts-Lehrbücher für diese Altersgruppe fehlen, hat das pädagogische Team ein eigenes Buch verfasst, das altersgerecht die historischen Fakten vermittelt. Darüber hinaus führt es in den Ort des ehemaligen S-21-Komplexes und in die Anfangszeit des Museums ein. Die Initiative entstand aus der Kooperation mit dem Okinawa Art Museum und dem Okinawa Peace Museum. Klicken Sie hier für den Download.

Vorträge & Gespräche

Das Museum möchte mit seinen Vorträgen und Gesprächen insbesondere zwei Zielgruppen ansprechen:

Vorträge für SchülerInnen / Gruppen: Bevor eine Schulklasse das Museum und seine Ausstellung besucht, möchten wir den SchülerInnen die Möglichkeit geben, durch einen kurzen 20-minütigen Vortrag einige historische Fakten zu lernen, sodass sie eine Grundlage für den Besuch der Ausstellung haben. Bitte kontaktieren Sie das Museum bei Interesse. Die Vorträge sind auch für nicht-schulische Gruppen (Universitäts-Seminare, NGOs, Regierungsabteilungen, Reisegruppen und andere) geeignet.

Öffentliche Gespräche: Das im Jahr 2016 begonnene Programm erlaubt es lokalen, aber auch internationalen Experten der neueren kambodschanischen Geschichte, 40-minütige Vorträge zu halten. Im Anschluss gibt es jeweils die Möglichkeit, 20 Minuten lang zusammen mit den ZuhöherInnen zu diskutieren und das Gehörte zu reflektieren. Die Teilnahme ist für alle MuseumsbesucherInnen kostenlos und wird bei Bedarf ins Englische oder Khmer übersetzt.

Tour Guides

Jede größere Besuchergruppe hat die Möglichkeit, sich im Vorfeld ihres Besuches eine alters- und interessensgerechte Führung durch eine/n der Tour Guides vom Museum bestätigen zu lassen. Für kleinere Gruppen oder Einzelpersonen besteht stets die Möglichkeit, am Eingang des Museums nach einem Tour Guide zu fragen. Für diesen Service freut sich das Museum über jede Spende, die Sie hierfür geben möchten und können.

2. Programme außerhalb des Museums

Die folgenden Programme werden zurzeit überwiegend für Schulen in Phnom Penh organisiert. Das pädagogische Team fördert interaktives Lernen, das mit Elementen von Recherche, Interviewführung, Präsentation und Kleingruppenarbeit kombiniert werden. Ziel ist es, die Jugendlichen für die Geschichte der Roten Khmer zu interessieren und auf die Bedeutung des Tuol Sleng Genocide Museums hinzuweisen. Darüber hinaus hoffen wir, SchülerInnen zu ermutigen, zu BotschafterInnen des Friedens zu werden, um ähnliche Massenverbrechen in Zukunft zu verhindern.

Ablauf unseres Programms

Erste Woche: Unser pädagogisches Team besucht die Schule und präsentiert den SchülerInnen allgemeine Informationen über die Geschichte Kambodschas.

Zweite Woche: Der Unterricht bezieht sich nun spezifischer auf die Herrschaftszeit der Roten Khmer und auf die Gräueltaten im Gefängnis S-21. Zusätzlich werden Gruppenarbeitsaufgaben verteilt.

Dritte Woche: Die SchülerInnen besuchen das Museum; nach einer umfangreichen Führung recherchieren die SchülerInnen in kleinen Gruppen vor Ort, um ihre Gruppenaufgabe abzuschließen.

Vierte Woche: Die Gruppen präsentieren ihre eigenen Forschungsergebnisse vor der Klassengemeinschaft. So können die SchülerInnen sich eine Vorstellung von dem „Davor“, „Während“ und „Nachher“ des Regimes der Roten Khmer machen.

3. Trainings & Workshops am Museum

Zur Weiterbildung des pädagogischen Teams und als Angebot für Studierende und SchulabgängerInnen hat das Museum in den letzten Jahren verschiedene Trainings und Workshops durchgeführt.

Dazu gehörten z. B. das Schreiben von Projektanträgen, praktische Forschungsmethoden, Einführung in „Oral History“ und Gedenkstättenpädagogik. In 2016 wurden darüber hinaus Trainings in Anleitung, Projektmanagement und Verwaltung angeboten.